Kann die Bahn bestehende Funklöcher mit Glasfaserkabeln am Schienennetz füllen?

Die Etablierung des kostenlosen WLAN in allen Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn wirkte sich spürbar negativ auf die Verkaufszahlen von Zeitschriften an Bahnhofskiosken und -buchhandlungen. Viele Reisende verlassen sich also gerne auf das Vorhandensein des WLANs. Doch auf der Fahrt werden die Erwartungen leider immer wieder enttäuscht, denn gerade in den ländlichen Gebieten ist die Funkverbindung oft mangelhaft oder sogar gar nicht vorhanden. Schuld daran ist die Technik: Mittels einer Antenne auf dem Zugdach wird der Kontakt zu den Anbieternetzen von O2, Vodafone und der Telekom aufgenommen. Das erhaltene Signal wird gebündelt, verstärkt und dan die Fahrgäste weitergegeben. Das Problem ist offensichtlich: Ist in einem Funkloch kein Mobilfunknetz vorhanden, so kann auch nichts weitergegeben werden.

Deal zwischen Politik und Bahn

Was Viele nicht wissen: Selbst in einem Funkloch sitzen die Kunden häufig in direkter Nähe einer Glasfaserleitung. Bereits ungefähr 18.000 Kilometer des deutschen Schienennetzes sind mit Glasfaserleitungen ausgerüstet, die unter anderem für die Steuerung der Züge benötigt werden. Zusätzlich könnten über sie aber auch Mobilfunksender angeschlossen und bestehende Funklöcher geschlossen werden. Das Angebot der Bahn an die Bundesregierung stammt bereits aus dem Jahr 2018: Die Bahn würde für etwa 3,5 Milliarden Euro die noch fehlenden 15.000 Kilometer Glasfaserleitung entlang des Streckennetzes auffüllen und damit durchgehend ein schnelles Internet bereit stellen. Dafür stehen zwei technische Möglichkeiten zur Option: Die eigene Mobilfunktochter des Staatskonzerns, oder alternativ der Zugang zum Glasfasernetz in Vermietung an die bestehenden Anbieter. 

Anforderungen an die Mobilfunkbetreiber

Die Bundesregierung hat sich noch nicht abschließend zu den Vorschlägen geäußert, und auch die Bahn schweigt momentan zum aktuellen Planungsstand. Die Bringschuld liegt ohnehin bei den klassischen Anbietern, die die Internet-Lücken entlang von Bahnstrecken final auffüllen müssten. 

Die derzeit gültige Ausschreibung für 5G-Lizenzen sieht vor, dass es auf Strecken, auf denen mehr als 2.000 Kunden pro Tag reisen, bestimmte Voraussetzungen gibt. So müssen ab dem Jahr 2022 mindestens 100 MBit pro Sekunde an die Kunden bereitgestellt werden. Die Konzerne sichern sich jedoch jetzt schon ab und führen die sehr hohen Kosten der momentan noch laufenden Auktion ins Feld. Dieses Budget, so argumentieren die Anbieter, könne beim späteren Ausbau der Netze dann womöglich fehlen. Dies wäre dann ein Zeitpunkt, an dem das konzipierte Glasfasernetz der Bahn wieder mehr ins Blickfeld gelangen könnte.

Veröffentlicht von Prof. Dr. Schröder

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