CO2-freie Flüge in 20 Jahren

Das Wort „Flugscham“ ist in aller Munde. Die Deutschen sorgen sich um die schlechte Klimabilanz, die die Flugreisen aufweisen und stehen den Managern von Airlines und Flughäfen sehr kritisch gegenüber. Doch ist diese ganze Aufregung vielleicht etwas übertrieben? Gerade Inlandsflüge werden sehr häufig kontrovers diskutiert, dabei machen sie gerade einmal 0,3 % des gesamten CO2-Ausstoßes aus. Viel schwerwiegender sind die Kohlekraftwerke, die immer noch laufen und weitaus mehr CO2 produzieren. Der Leiter des Flughafens in Hannover, Raoul Hille, der dieser Tätigkeit seit dem Jahr 2004 nachgeht, ist der Meinung, dass sich dieses Problem früher oder später selbst lösen wird. Er geht davon aus, dass es in etwa 20 Jahren so weit sein könnte, dass Flugzeuge mithilfe synthetischer Kraftstoffe keinerlei CO2 mehr ausstoßen werden. 

Norddeutscher Windstrom von großer Bedeutung

Die Power-to-Liquid-Technologie ist eine Methode, um besagte synthetische Kraftstoffe herzustellen, genauer gesagt synthetisches Kerosin. Es wird aus Wasser und CO2 gewonnen. Stammen beide Stoffe aus sich selbst regenerierenden Quellen, handelt es sich um ein zu 100 % klimaneutrales Antriebsmittel. Bis jetzt war dies nur innerhalb von Laborversuchen möglich, doch Hille möchte nun in Niedersachsen einen industriellen Großversuch starten. Die sich dort befindenden Windräder müssen von Zeit zu Zeit ausgeschaltet werden, denn es gibt innerhalb dieses Stromnetzes keine Abnehmer. Nichtsdestotrotz werden die Betreiber vergütet.
Im Endeffekt kommen die Kunden finanziell für Strom auf, der in Wahrheit nie erzeugt wird. Daher könnte der Windstrom laut Hille für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe von Nutzen sein. Seinen Schätzungen zufolge wird die Umsetzung etwa 10 Jahre beanspruchen. 

Vorteile für die Automobilindustrie

Finanziert werden soll das Ganze aus den Einnahmen der Luftverkehrsabgaben. Dabei handelt es sich um etwa eine Milliarde Euro jährlich. Diese Summe soll zweckgebunden in die Forschungsarbeiten bezüglich des synthetischen Kraftstoffes fließen. Das könnte sich außerdem positiv auf die Automobilindustrie auswirken, da theoretisch auch Kraftfahrzeuge mit diesem sauberen Kraftstoff angetrieben werden könnten.
Hille spricht sich allerdings warnend bezüglich der Luftfahrt aus, denn diese stünde so vor neuen Belastungen. Das Einführen einer Kerosinsteuer wäre allerdings nur sinnvoll, wenn diese in vielen Ländern zur gleichen Zeit geltend gemacht werden könnte. Ist dies nicht der Fall, würde man die Flugzeuge vermutlich im Ausland auftanken, wodurch der CO2-Ausstoß erhöht werden würde. Es besteht die Möglichkeit, das CO2 zu bepreisen, jedoch wäre das nur sinnvoll, wenn die so zustande kommenden Einnahmen auch für den Schutz des Klimas eingesetzt werden.

Veröffentlicht von Prof. Dr. Schröder

Neugier ist die treibende Kraft der Wissenschaft, Freiheit ist ihre unverzichtbare Basis. Auf diesen beiden Grundpfeilern gedeiht Erkenntnis – und damit gesellschaftlicher Fortschritt. Nur so können wir große Herausforderungen wie den Klimawandel, die Energiewende oder Volkskrankheiten bewältigen.

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